"Ein Engel für Vinz"                     Die Geschichte von Arabella & Vinzenz

Textauszug

                

1989 - im unterirdischen Teil einer ehemaligen Militäranlage

 

…“Bitte, bitte hol mich hier raus. Schick‘ mir einen Engel oder wenn du keinen frei hast, sonst irgendjemanden, den du gerade entbehren kannst“, murmelte Arabella.

Vermutlich stehe ich nicht auf Gottes Hitliste, so oft, wie ich dieses Gebet in den letzten Tagen schon gesprochen habe. Kein Wunder, bin ja wirklich keine Heilige, aber einen Versuch war es wert.

„Und so wie ich aussehe, werde ich wohl auf niemandes Hitliste mehr landen“, flüsterte sie in Gedanken und inspizierte die zwei Fingernägel ihrer rechten Hand, die abgebrochen waren, vom Zustand ihres Nagellacks ganz zu schweigen. Wenigstens war in dieser dunklen Zelle kein Spiegel, der den Makel gezeigt hätte, der sie für immer von ihrem alten Leben trennte - noch mehr als diese Zelle es könnte. Ihre linke Gesichtshälfte war durch eine Verbrennung vernarbt. Das Todesurteil für ein Spitzenmodel wie sie.

Bei dem Gedanken daran schüttelte ein Schluchzen ihren Körper und neue Tränen liefen ihre Wangen hinunter. Aus reiner Gewohnheit versuchte sie sofort die Tränen mit ihrem Finger aufzufangen, was völlig sinnlos war, denn ihr Make-up war sowieso hoffnungslos verschmiert. Außerdem waren ihre Haare total fettig und ihr super Outfit als Engel, welches sie für das sogenannte Casting getragen hatte, teils zerrissen und mittlerweile ebenso schmutzig wie ihre Zelle. Im selben jämmerlichen Zustand befanden sich ihre Flügel mit den echten Federn, die lagen wie ausgerupft am Boden neben ihr.

Sie begann wieder zu zittern, denn die Zelle war nicht nur feucht, sondern auch noch erbärmlich kalt.

Sie blickte auf die verdreckte Decke, die auf der dünnen Matratze lag, beides ekelte sie. Aber sie durfte nicht krank werden, wegen ihres Babys musste sie unbedingt gesund bleiben. In einer Woche war ihr Geburtstermin. Sie schluchzte laut auf und heulte noch mehr.

„Was soll ich nur machen, wenn mein Baby kommt, während ich in dieser Zelle bin!“

„Ich kann dir helfen. Ich bin selbst eine Mutter und habe schon einigen Müttern während der Geburt beigestanden“, tröstete sie die Stimme aus der gegenüberliegenden Ecke, die im Dunkeln lag.

„Ich höre sie kommen“, keuchte der junge Mann, der ebenfalls in der anderen Ecke angekettet war.

„Sind wir jetzt verkauft worden?“, stammelte Arabella in Panik. „Werden sie uns wegbringen? Oh Gott, was werden sie mit mir anstellen? Was wird aus meinem Baby?“

„Denk an dein Baby und versuch zu überleben“, riet ihr die Frau mit einer sanften Stimme, die im krassen Gegensatz zu ihrem geschlagenen Körper stand.

Dann hörte sie selbst die schweren Schritte von Männern.

Ihr Herz begann zu rasen.

Nein, nicht zu mir! Bitte kommt nicht zu mir!

Geht vorbei an dieser Zelle!

Arabella setzte sich auf die Matratze und wurde mucksmäuschenstill. Sie zog die Beine an, soweit das ging und kauerte sich ganz klein zusammen.

„Du willst also deine Ware sehen, bevor du dein letztes Gebot abgibst, was?“

„Es ist eine Menge Geld und ich kaufe nicht die Katze im Sack.“

Ein Mann brach in hässliches Gelächter aus.

Arabella wurde schlecht, als sie hörte, dass die beiden Männer direkt vor ihrer Zelle stehen blieben.

Vielleicht haben sie nur eine Pause eingelegt und gehen weiter. Wenn dieser Mann da draußen mein Gesicht sieht, wird er eh keinen Penny mehr für mich ausgeben. Dann verschachern sie mich womöglich an den übelsten Zuhälter irgendwo im Ausland. Mit viel Glück lande ich nur als Arbeiterin auf einer Drogenplantage.

Der Schlüssel wurde in ihre Zellentür gesteckt, grauenhafte Angst befiel sie. Die Metalltür wurde aufgestoßen, ein Mann trat ein und versperrte einem anderen den Zugang. Bei dem wenigen Licht erkannte sie so gut wie nichts.

„Ich will mit ihr allein sein“, fordert der mutmaßliche Käufer in so hartem Ton, dass ihr ein Schauer über den Rücken lief.

„Hier sind Fünfhundert.“

Wenn er mein Gesicht sieht, wird er bereuen, so viel Geld ausgegeben zu haben.

„Tausend!“, forderte der Bewacher.

Dem Geräusch nach übergab der potenzielle Käufer ohne mit der Wimper zu zucken den höheren Betrag.

„Aber dafür gehst du um die Ecke.“

„Wehe du hinterlässt Spuren, wenn du sie dir vornimmst, sonst krieg ich Ärger.“

„Keine Spuren“, antwortete der Käufer ohne jegliche Emotion.

Überleben! Ich muss mich so verhalten, dass ich überlebe und dem Baby in meinem Bauch nichts geschieht!

Sie vermied krampfhaft darüber nachzudenken, was das mit den Spuren für sie hieß und versuchte sich abzulenken.

1000 nur für ein Casting, bevor mich jemand überhaupt bucht, das kam noch nie vor.

Als die Zellentür zuschlug, zuckte Arabella zusammen. Es war wieder dunkel und ein Schlüssel verriegelte von außen die Tür.

Kein Entkommen.

Schritte nähern sich.

In blinder Panik fuhr Arabella hoch, wich an der Wand bis zur hintersten Ecke zurück und schloss die Augen.

Was wird er mit mir anstellen?

Wird er mir wehtun?

Grauenhafte Angst ließ ihren ganzen Körper zittern.

Mein Baby! Egal was, aber meinem Baby darf nichts passieren!

Schützend legte sie beide Hände auf ihren Bauch und hielt den Atmen an.

Sie hörte ein Klicken, als schaltete der Käufer eine Taschenlampe an. Ohne nachzudenken, wandte sie den Kopf zur linken Seite, damit man ihre entstellte Gesichtshälfte nicht sah. Dann hörte sie das Rascheln von Kleidung.

Oh Gott, jetzt zieht er sich aus.

„Lass die Frau in Ruhe, du Stück Scheiße!“, rief der junge Mitgefangene, den die Bewacher schon öfters aufs Übelste verprügelt hatten.

Sie hörte das Zerren an dessen Ketten. Er könnte ihr nicht helfen, die Ketten waren zu kurz.

„Raven, bitte sei still“, hörte sie die sanfte Frauenstimme aus der anderen Ecke leise flehen. „Du kannst nichts für sie tun. Aber wenn die Wächter dich hören, werden sie wieder uns beide zusammenschlagen.“

„Hier, nimm meinen Mantel“, sagte der Mann, der inzwischen vor ihr stehen musste und seine tiefe Stimme war dieses Mal unglaublich sanft. „Du zitterst ja am ganzen Körper.“

Sie öffnete die Augen und sah durch ihren Tränenschleier, dass er ihr einen Kaschmirmantel hinhielt. Er öffnete den Mantel, damit sie hineinschlüpfen konnte.

Als Model fiel ihr Blick unweigerlich auf das Etikett im Futter. Mit teurer Kleidung kannte sie sich aus. Dieser Mantel stammte von einem exklusiven Designer aus London. Ein sehr kostbares Stück, das mit Sicherheit eine vierstellige Summe wert war.

„Der, der ist viel zu schade“, stammelte sie. „Ich, ich bin doch ganz schmutzig. Du, du ruinierst ihn nur.“

Die Angst machte sie völlig fertig, sie war kaum in der Lage, ruhig zu sprechen oder klar zu denken.

Wenn man von Männern teure Geschenke bekam, erwarteten sie etwas, das hatte sie in ihrem Job gelernt.

Denk an dein Baby. Du musst warm bleiben.

Zitternd und mit vor Angst steifen Gliedern wich sie ein paar Zentimeter von der Wand ab und der Mann half ihr wie ein Gentleman in den himmlisch warmen Mantel. Der ging ihr bis zu den Knöcheln und war weit genug, damit sie die Knöpfe vorn zubekommen würde.

Der Mann reichte ihr ein blütenweißes Taschentuch aus Stoff mit eingestickten Initialen und einem Wappen. Sie wischte sich damit die Tränen vom Gesicht. Das Klicken vorhin stammte tatsächlich von einer Taschenlampe, die der Mann eingeschaltet und mit der angebrachten Schlaufe an der kaputten Glühbirne befestigt hatte. Daher war es ihr möglich, ihn nun zu erkennen.

Für einen Moment vergaß sie den Kerker, denn ihr potenzieller Käufer sah aus wie ein italienisches Model aus einer Werbung für Aftershave oder Duschgel. Mit seinem maskulin-erotischen Aussehen hätte er locker das aktuelle Spitzenmodel aus Italien abgelöst. Und es war der gleiche Mann, der sie vor kurzem beinahe über den Haufen gefahren hätte. Die gnadenlose Härte in seinem Gesicht war heute jedoch einer - wenn auch kantigen - Sanftheit gewichen.

Seine schwarzen, glatten Haare waren an den Seiten kürzer als oben, von wo ihm ein paar Strähnen ins Gesicht fielen, was irgendwie verführerisch wirkte. Die makellose Haut hatte einen mediterranen Ton und die dunkelblauen Augen würden wohl jede Frau in seinen Bann ziehen. Sein perfekt gebügeltes Seidenstickerhemd passte zu der sicherlich maßgeschneiderten Hose und den italienischen Designerschuhen.

Als der Mann seine gepflegte, manikürte Hand nach ihr ausstreckte, riss sie das mit Wucht aus ihrer Betrachtung. Sicher wollte er jetzt ein Entgegenkommen von ihr.

Alles in ihr krampfte sich zusammen und sie wollte gerade anfangen zu betteln, er solle ihr nicht wehtun, da sagte er leise: „Du bist also mein Engel.“

Er neigte den Kopf ein klein wenig zur Seite.

Von Angst gelähmt, spulte sie irrsinnigerweise den Spruch ihrer letzten Werbekampagne herunter: „Der Duft, der sogar die Engel an das Paradies erinnert.“

So lautete der Titel der riesigen Plakate, auf denen sie als Engels posiert hatte.

„Hat mein Engel auch einen Namen?“

In seiner Stimme schwang viel mehr mit als oberflächliche Neugierde, doch jetzt musterte er sie. Schnell legte Arabella eine Hand auf ihre vernarbte, linke Wange und senkte den Blick zu Boden.

„Ich heiße Arabella. Aber ich bin nur zur Hälfte ein Engel.“

Er war bestimmt sauer, auf so eine beschädigte Ware hereingefallen zu sein. Und bei der hohen Summe, mit der er den Wärter bestochen hatte, wollte er sie jetzt bestimmt nur auf eine Weise „ausprobieren“, nämlich indem er seinem Schwanz ein kurzes Vergnügen bot. Seinem Auge hatte sie schließlich nichts zu bieten.

Von neuer Angst gepackt, kniff sie die Augen zusammen. „Bitte“, flehte sie verzweifelt.

Sie hatte die Erfahrung gemacht, dass „Mann“ einer wunderschönen Frau keine Bitte abschlug, doch leider war sie nicht mehr wunderschön, sondern entstellt. Wie sollte sie ihrer Bitte nur Kraft verleihen? Durch Mitleid?

„Bitte, tun sie mir nicht weh. Ich bekomme bald eine kleine Tochter.“

Sie suchte nach mehr Worten, doch pure Angst schnürte ihr die Kehle zu. Tränen rannen unhaltbar über ihre Wangen.

„Hässliche Menschen werden hässlich behandelt“, hatte eine Modeltrainerin ihr mal erzählt. Und sie war inzwischen hässlich, ja mehr als das: abstoßend, ekelerregend. Nur ein einziges Mal hatte sie seit dieser Verbrennung in ihrem Lieblingsrestaurant – einem drei Sterne Restaurant – gegessen. Man hatte ihr den Personaltisch abgeräumt, der hinter einer Sichtschutzwand nah an der Tür zur Küche stand. Seit dem war sie nirgendwo mehr essen gegangen.

Der Mann nahm ihr Kinn in die Hand, drehte ihren Kopf in seine Richtung und schob mit der anderen Hand ihre zur Seite.

„Nein, bitte nicht“, bettelte sie noch, doch er ließ sich nicht aufhalten.

Den angewiderten Gesichtsausdruck dieses vollkommen perfekten Mannes würde sie nur schwer ertragen, deshalb ließ sie ihre Augen einfach zu. Ihr Kinn wurde losgelassen und sie spürte zwei warme Hände, die ihr Gesicht so behutsam hielten, als wären es ein Fabergé-Ei.

„Sieh mich an.“

Seine tiefe Stimme klang so warm und vertrauenseinflößend, dass sie tatsächlich ihre Augen öffnete.

„Hab keine Angst. Ich werde dir nichts tun.“

Sie schaute in seine Augen und sah die Wahrheit darin. Das waren keine schönen Bla-bla Worte unter Partygästen, kein oberflächlicher Smalltalk zwischen Kunde und Model. Ein reines, wahres Versprechen, das hatte dieser Mann ihr gerade eben gegeben. Und seine dunkelblauen Augen blickten dabei nicht voller Mitleid oder Abscheu auf ihren Narben, sondern tief in ihre Augen, in sie hinein, bis in ihre Seele, in das, was sie im Inneren ausmachte. Unter seiner Berührung entspannte sich ihr ganzer Körper und sie holte tief Luft.

Seit ihrem Unglück hatte sie keiner mehr liebevoll berührt. Nur Ärzte hatten hier und da mit einem Ausdruck des Mitleids und Gummihandschuhen ihre Narben inspiziert und ihr gesagt, dass sie trotz kosmetischer OPs nie wieder eine Schönheit sein würde.

Ohne nachzudenken, löste sie die Hände von ihrem Bauch und legte sie auf seine Brust. Unter dem edlen Hemd spürte sie, wie seine stahlharten Brustmuskeln erzitterten.

Seine Hände ließen ihr Gesicht los, aber dafür legten sich seine Arme um sie und zog sie an sich. Zuerst versteifte sie sich, doch dann umfing sie sein herrlicher Duft nach Mokka und Amber und er flüsterte ganz leise direkt in ihr Ohr: „Mein Name ist Vinzenz. Und ich werde dich hier rausholen.“

Sein Waschbrettbauch war genauso stahlhart wie seine Brust, doch im nächsten Moment wurde die harte Mauer an Muskeln beinahe einladend weich, als würde sie ihr ein Willkommen zuflüstern. Und mitten in dieser kalten, trostlosen Zelle, faste Arabella zu diesem Fremden Vertrauen und gewann neue Hoffnung.

„Wir haben nicht viel Zeit“, flüsterte er weiter. „Und ich brauche etwas, um dich wiederzufinden.“

„Und was?“, hauchte sie.

„Dein Blut.“

Ihr Kopf hob sich ruckartig von seiner Brust. „Oh Gott, ich – ich…“

Er legte ihr seinen Zeigefinger auf ihre zitternden Lippen und flüsterte erneut in ihr Ohr: „Nur ein wenig, falls er dich hier wegbringt, bevor ich dich holen kann.“

„Werde ich dann zu einem – einem Vampir?“

„Hab keine Angst, du bleibst der Engel, der du bist.“

In der dunklen Ecke rasselten wieder Ketten und der junge Mann keuchte, anscheinend unter Schmerzen: „Sie ist schwanger, vergiss das nicht!“

Vinzenz drehte seinen Kopf zu ihrem Mitgefangenen.

„Wie ist dein Name und warum bist du hier?“

„Mein Name ist Raven. Sie haben meinen Vater ermordet und mich und meine Mutter entführt.“

Ohne darauf einzugehen, wandte sich Vinzenz wieder flüsternd zu ihr: „Ich höre von weitem Schritte, wir müssen uns beeilen.“

Er legte eine Hand fest an ihren Hinterkopf und auch sein anderer Arm um ihren Körper wurde zu einem Stahlband, wenn auch zu einem sanften.

Er öffnete den Mund und bevor er ihren Kopf zur Seite neigte, erhaschte sie einen Blick auf seine Fangzähne. Ja, er hatte tatsächlich Fangzähne! Und sie sahen extrem scharf aus.

„Ganz ruhig“, hauchte er und sie spürte bereits seine weichen Lippen an ihrem Hals.

Stell dir vor, es ist ein Bikiniwaxing, damit du bei Victoria’s Secret mitlaufen darfst.

„Schlimmer als dieses Waxing kann das auch nicht werden“, murmelte sie.

„Von was redest du da?“, fragte Vinzenz und ließ kurz locker.

Sie straffte ihre Schultern und legte ihre Hände auf seine spürbar durchtrainierten Oberarme.

„Egal, jetzt mach schon. Ich will‘s hinter mich bringen.“

Sie fühlte seinen durch und durch männlichen Körper überdeutlich, als er sie erneut an sich zog und seine Wärme lullte sie regelrecht ein. Weiche Lippen lagen auf ihrem Hals. Sie spürte für einen kurzen Augenblick zwei Stiche, dann drang er tiefer in ihr weiches Fleisch ein, ohne dass es wehtat. Als er an ihrem Hals zu saugen begann, krallten sich ihre Finger in seine Oberarme, denn es fühlte sich unerhört erotisch an. Ehe sie es zurückhalten konnte, drang ein leises Stöhnen aus ihrer Kehle. Und tief in ihr triumphierte das Wissen, dass ein so mächtiges, schier ewig lebendes Wesen ihr Blut brauchte, um seine Stärke und Schönheit zu erhalten.

Sie war so hin und weg, dass sie ihm vermutlich ihren letzten Blutstropfen überlassen hätte. Aber dann näherten sich erneut schwere Schritte und ihre kleine Tochter spielte Kickboxen, wollte wohl endlich wieder im Mittelpunkt stehen.

Vinzenz leckte über ihren Hals, rückte mit einem Ausdruck des Staunens von ihr ab und schaute auf ihren Babybauch.

„Ja, das ist meine Kleine“, bestätigte sie.

Er streckte seine Hand nach ihrem Bauch aus, verharrte aber darüber, bis sie nickte.

Sie legte ihre Hand auf seine und die Babyfüßchen traten wieder kräftig zu.

„Eine kleine Kämpferin“, bemerkte Vinzenz und zum ersten Mal lächelte er, was sein Gesicht auf wunderschöne Art verzauberte. Doch da hämmerte draußen schon der Wärter gegen die Metalltür.

„Jetzt ist Schluss da drin, ich komme rein!“

Vinzenz Gesichtszüge nahmen einen geradezu tödlichen Ausdruck an.

Die Tür schwang auf.

„Und? Wie ist die Ware?“, fragte der Wärter und vollzog eine widerlich sexuelle Geste mit den Hüften.

Sie sah noch wie Vinzenz Kiefer mahlten, dann drehte er sich um.

„Die Ware ist in Ordnung und ich will, dass das so bleibt. Wenn sie noch jemand anfasst, dann ziehe ich was vom Kaufpreis ab.“

Hätte Arabella Vinzenz nicht gerade anderes erlebt, wäre ihr bei seinen gefühlskalten Worten der Angstschweiß ausgebrochen.

Der Wärter grinste anzüglich in ihre Richtung und leckte sich über seine eckelhaften Lippen.

„Hey, du kriegst sie noch früh genug. Wann hat man denn schon mal einen Engel zum …“

Ehe Arabella begriff, was passierte, hatte Vinzenz den Wärter schon bei der Kehle gepackt und ihn an die Wand gedonnert. Seine rasiermesserscharfen Zähne schwebten direkt über dem Gesicht des anderen.

„Wenn ich auch nur einen klitzekleinen, blauen Fleck an ihr finde, werde ich dir deinen Schwanz Scheibchenweise abschneiden und dich damit füttern. Haben wir uns verstanden?“

„Reg dich ab und lass mich los!“

Mit einem Knurren ließ Vinzenz von dem Wärter ab und schob ihn durch die Tür nach draußen.

„Und bring der Frau gefälligst ein sauberes Leintuch und etwas Warmes zu essen!“

„Das kostet dich aber was!“, hörte Arabella den Wärtern noch sagen, dann knallte die Tür wieder ins Schloss.

Später wurde die Zellentür erneut aufgerissen, eine geöffnete Dose mit einem Löffel wurde vor ihr abgestellt und ein Leintuch neben sie geworfen, das sicher nicht frisch gewaschen, aber wenigstens sauberer als ihre Matratze war.

„Was musste er dafür zahlen?“, fragte Arabella und wunderte sich selbst über ihren Mut.

Der Wärter grinste hämisch.

„Fünfhundert. Mein Standardpreis.“

„Fünfhundert? Für“, sie blickte in die Dose. „Lauwarme Ravioli und ein benutztes Laken?“

„Ich bin ein Geschäftsmann“, erwiderte er und dann fiel sein Blick auf das edle Stofftaschentuch von Vinzenz, das neben ihr auf der Matratze lag. Ehe sie es verhindern konnte, riss er es an sich und musterte die Stickerei.

„Ich kenne dieses Wappen! Ich wusste doch gleich, dass mit dem was faul ist! Na warte, den wird Ramón in seine Einzelteile zerlegen, wenn er wieder hier auftaucht!“

***

Dieser 5. Teil wird erst im Laufe von 2017 als Taschenbuch erscheinen, da die Printausgabe (und alle anderen dieser Serie) zukünftig von einem Verlag gedruckt werden.

 

Der zweite Teil dieser Story von Ara&Vinz wird im Laufe von 2017 als E-Book erscheinen.

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